Viele Kollegen, Leidensgenossen und andere Mitmenschen fragen mich oft und immer öfter, was scrum eigentlich sei. Ich müsse das doch wissen, schließlich mache ich Software einfach oder ich mache einfach Software. Zumindest wüsste ich, wie’s geht, sagen sie. Und das Wort “scrum” sei ja mittlerweile in fast jedem meiner Sätze zu finden.
Nun, was scrum denn ist und was nicht, darüber wird noch zu reden sein. Aber was er bewirkt, darüber kann trefflich gesprochen werden: Scrum vertreibt den Schrecken aus Projekten, er ist ein Schreckensminimierer. Welche genau? Also:
- Den Schrecken des Blindfluges: Jeder Beteiligte weiß genau, wo das Projekt steht. Wenige einfache und übersichtliche Diagramme gestatten jederzeit, tatsächlich jederzeit, eine Aussage über den Projektfortschritt. Features sind entweder fertig oder nicht. 99% fertig ist auch “nicht fertig”. Die Welt wird wieder einfach; das ist wunderbar, weil die Projekte ja oft schwierig genug sind.
- Den Schrecken der Nichtsteuerbarkeit: Durch kurze Feedbackzeiten und regelmäßige Rückkopplung mit den Entwicklern und den Kunden werden keine Features gebaut,
die “niemand braucht”. Es kann schnell und effizient auf Änderungen der Anforderungslage reagiert werden. Die Anforderungen leben, genau wie der Kunde und dessen Geschäft es auch tun. - Den Schrecken des Ziegelsteins: Was passiert, wenn Meier morgen ein Ziegelstein auf den Kopf fällt? Scrum setzt Techniken aus dem XP ein, was z.B. dazu führt, dass sich alle Entwickler in jedem Code, zumindest prinzipiell, auskennen. Das macht Spaß, man kann viel voneinander lernen und auch viel entspannter in den Urlaub fahren.
- Den Schrecken der Frameworks: Ein Framework ist oft der erste Hinweis darauf, dass die Entwicklung nicht weiß, was sie machen soll. Mit scrum implementiert man Features, sonst nichts. In jeder Etappe einen Durchstich, ein Mehr an Funktionalität.
- Den Schrecken des Big Bang: Das Team verfügt zu jedem beliebigen Zeitpunkt der Entwicklung über ein auslieferbares Produkt. In der ersten Zeit hat dieses Produkt vielleicht nur 2 oder 3 oder 5% der geplanten Features. Aber diese Wenigen lassen sich bauen, laufen fehlerfrei, lassen sich verpacken und beim Kunden installieren. Der Kunde kann das Wachsen der Software hautnah verfolgen, kann frühzeitig reagieren. Schön für den Kunden, noch schöner für das Team.
- Den Schrecken der Verantwortungsdiffusion (ein netter Begriff aus der Verhaltensforschung): Teams vergessen die Schuldfrage. Sie fragen vielmehr nach Gründen für bestimmte Dinge, und wie man diese Abstellen kann. Sie übernehmen Verantwortung für Planung und Durchführung der Arbeiten.
Wenn also mal wieder jemand fragt, warum denn ausgerechnet scrum und warum jetzt und warum wir: Menschen, Dinge oder Prozesse, die den Schrecken verkleinern, sind zumindest nützlich. Wir sollte sie beachten. Denn: Man kann sich das Leben erleichtern. Aber man muss natürlich nicht.