Was kann man mit einem Fisch alles anstellen? Sie können ihn essen, sie können ihm beim Schwimmen zusehen. Oder Sie können ihn füttern. Wenn sie Glück haben, zeigt er Ihnen dann die Kunststückchen, die er so drauf hat. Aber halten Sie es für eine gute Idee, die Kunststücke respektive Fähigkeiten eines Fisches zu testen, indem Sie ihn auf den Tisch legen, ihm ein mehr oder weniger aufmunterndes “Nun mach’ schon, zeig’ mal!” entgegen schleudern und dann auf die Reaktion warten?
Software macht man nicht “einfach”, indem man dem Fisch respektive dem Entwickler das Wasser vorenthält. Was ist das Wasser des Entwicklers? Es besteht aus den drei Dingen Kommunikation, Zeit, Selbstvertrauen.
Nun stellen Sie sich folgende Situation vor. Sie wollen einen neuen Mitarbeiter einstellen. Möchten ihn einschätzen. Wie würden Sie vorgehen? Richtig, Sie würden Fragen stellen. Nun hat es damit eine besondere Bewandtnis.
Sie können Fragen auf genau zwei Arten stellen. Zum einen können Sie versuchen, herauszufinden, was Ihre Leute nicht können, mit der Betonung auf dem “nicht”. Oder aber Sie versuchen zu verstehen, was sie können. Und was sie gern machen würden. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Selbst wenn Sie eine vollständige Liste der Dinge besitzen, die Ihr neuer Mitarbeiter nicht kann: Was nutzt Ihnen das? Richtig. Nichts. Denn Sie haben immer noch nicht die geringste Ahnung, was er eigentlich so drauf hat. Oder weshalb er bei Ihnen arbeiten will – falls er das will. Um bei unserem Fisch zu bleiben, Sie bekommen heraus, dass er auf dem Tisch nicht richtig vorwärts kommt, dass er irgendwie mit der Atmung Probleme hat und vor allem: Das ihm Ihre Fragen relativ schnell relativ egal werden. Diese Art, mit Menschen umzugehen, hat keinen richtigen Namen, hingegen merken Sie das Ergebnis sehr schnell. Ihnen laufen die Leute weg, oder Sie bekommen erst gar keine, Ihr Projekt scheitert.
Der andere Ansatz hat hingegen viele Namen. Ressourcenorientiert. Herzblutgetrieben. Begeisterungsverursacht. Wertegetrieben.
Fragen Sie ihre Leute, warum sie etwas Bestimmtes machen wollen, warum Sie gerade bei Ihnen arbeiten wollen oder warum potentielle Mitarbeiter denken, für Ihr Projekt ein Gewinn zu sein. Versuchen Sie nicht, Ihre Mitarbeiter zu überrumpeln gemäß “Jetzt habe ich was gefunden, was Du nicht weiß – got you!” Stress ist OK, aber er muss die Ausnahme sein. Im Projekt, und im Gespräch. Die Meinung, dass Stress normal wäre und über Monate vorkommen dürfe, führt direkt ins Verderben. Permanenter Stress ist kein Zeichen guter Arbeitsorganisation, er ist ein sicheres Indiz für schlechte und unbewegliche Projektleitung und inadäquaten Prozesse. Und Ausdruck einer Haltung, die mit “respektlos” nur unzureichend beschrieben wäre.
Mit einem Wort: Entspannen Sie sich und Ihre Mitarbeiter. Vergessen Sie nie, dass die Art und Weise, wie Sie Fragen stellen, sehr viel über Sie selber aussagt. Und wer will schon bei einem Projektleiter arbeiten, dessen emotionaler Fingerabdruck dem eines Kampfpanzers gleicht?